Neues Dorf Ghana

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Interview mit Drew Gillmore am 9.9 2025 in der TUHH Hamburg-Harburg

Lieber Drew, wie hast Du vom Projekt „Neues Dorf Ghana“ erfahren?

Drew: Das war ein Vorschlag, den Professor Ralf Otterpohl gemacht hat. Er schlug vor, dass ich ein Projektpapier erstellen sollte. Er sprach über Aquakultur-Teiche. Über die Vorteile, Oberflächenwasser einzufangen für landwirtschaftliche Zwecke, während man Fische aufzieht, die vitalstoffreiche Algen fressen, die in einem solchen Teich wachsen. Er sagte damals, er kenne jemanden, der in Ghana ein Stück Land besitze. Ghana ist wie alle Länder vom Klimawandel betroffen. Die Häufigkeit von Dürreperioden wird zunehmen, so die Voraussagen. Man könnte auf diese Weise Regenwasser für die Trockenzeit retten. Ich hatte das Gefühl, dass es eine großartige Idee ist, Teil von diesem Projekt zu sein.

Wann warst Du dort?

Ich war dort von Mitte Oktober bis Mitte November 2024. Ich kam zur Übergangszeit von der Regen- zur Trockenzeit. Die letzten zwei Wochen meines Aufenthaltes regnete es nicht mehr. Das Wasser verdunstet dort sehr schnell durch die intensive Sonneneinstrahlung. Der Boden wird nach der Regenzeit hart wie Zement. Das macht es schwer, dort Erde für einen Teich per Hand auszuheben. Während der Trockenzeit ist es so, dass es Saharawinde gibt, welche sehr trockenes Wetter mit sich bringen können.  Es wurde ganz schnell heiß und trocken, als die Regenzeit vorbei war. Oft sind Optionen für Bewässerung entweder Oberflächenwasser von einem Fluss, und das muss man dann transportieren. Oder man nutzt Grundwasser. Es gibt einen kleinen Fluss am Rande der Liegenschaft. Einige Bauern vor Ort bauen in der Nähe Reis an. Das Gebiet ist hügelig. Es ist nicht so einfach, Wasser aufwärts zu tragen. Wenn man einen Teich für die Bewässerung hätte, würde das eine Alternative darstellen.

Hast Du daran gedacht, ein System für Tröpfchenbewässerung zu installieren, was ja etwa 70 Prozent Wasser spart? Ich kenne es von Israel und unserem Permakulturgarten im Hamburger Volkspark.

Drew: Ja, das wäre eine gute Möglichkeit, um Wasser zu sparen. Das würde die Beanspruchung vom Grundwasser reduzieren. Aber ich bin mir nicht so sicher. I bin für dieses Thema kein Experte. Auf jeden Fall wird ein Bewässerungssystem gebraucht. Das betrachte ich als wichtig. Ich glaube, eine Analyse der gesamten Farm von rund 50 Hektar sollte erstellt werden. Was sind die Ziele? In meinen Augen hauptsächlich: essbare Waldgärten für die Menschen vor Ort schaffen.

Informationen stehen weltweit zur Verfügung. Viele Menschen auch im ländlichen Ghana  Smart Phones und Computer. Sie haben Zugriff zu denselben Informationen wie wir in Deutschland. Es gibt eine Universität in Sunyani. I habe mich mit ihnen in Verbindung gesetzt. Es gibt ein Potenzial für eine Zusammenarbeit. I habe nur die Oberfläche angekratzt, als ich dort war. Landwirtschaft ist der Grundstein von jeder Gesellschaft. An der Universität gibt es eine Menge an Ressourcen. Sie haben ungefähr sechs unterschiedliche Institute. Eines davon befasst sich mit natürlichen Ressourcen und Landwirtschaft. Es dauert nur eine bis zwei Stunden, um dort hinzukommen von Kwabenas Projekt aus. Die Universität liegt also nicht zu weit weg. Kwabena hat einen Raum für Übernachtungsgäste auf seinem Grundstück. Benzin ist allerdings teuer in Ghana, und das macht eine Zusammenarbeit vor Ort schwieriger.

Kwabena hat einen guten Blick für Material, das ansonsten weggeworfen werden würde. Er nahm mich mit zu einer kleinen Fabrik, wo sie Reis schälen und die Hüllen der Reiskörner wegwerfen und hinter den Gebäuden verbrennen. Kwabena hat das entdeckt, weil er wusste, dass sich daraus Biokohle herstellen lässt, die man zur Herstellung von fruchtbarer Terra Preta-Erde braucht. Er betrachtet also diese Reishüllen als Gelegenheit und Potential für seine Farm.

Welche Tätigkeiten hast Du dort ausgeübt?

Mein Ziel war, eine Machbarkeitsstudie zu erstellen mit einem Design für einen wassersparenden Teich für Aquakultur für meine Projektarbeit im Rahmen meines Master-Studiums. Also Oberflächenwasser sammeln, das normalerweise in den Fluss fließt, um das Wasser für Landwirtschaft zu nutzen. Und, Fische zu züchten, die man essen kann. Die üblichen Gerichte, die in diesem Gebiet verzehrt werden, sind zum Beispiel Fufu oder Banku. Diese Gerichte sind eine Kombination einer weichen gefrorenen matschigen kohlenhydrathaltigen Masse aus Cassava, Kokosmarmelade, Kochbananen oder Mais, und eine Sorte Fleisch, normalerweise Bushmeat von Wildtieren. Was alles sein kann, von Fledermäusen bis zu Pavianen oder Stachelschweinen, Rohrratten genannt („grasscutter“). Reis ist auch sehr verbreitet. Es gibt einige kleine Kioske in dem Dorf, wo man Dinge wie Reis, Kekse, Fisch in Dosen und andere Fertigprodukte kaufen kann. Es gab dort auch eine Auswahl an Gemüse. Außerdem gab es angereichertes Milchpulver. Was mein Projekt betrifft und den Boden für den Teich, war ich interessiert an den mechanischen Eigenschaften des Bodens. Ich baute einen kleinen Damm aus Erde. Was Landwirtschaft betrifft, hatte ich den Eindruck, dass das Gebiet sehr grün war. Überall wuchsen Papaya- und Orangenbäume. Es war auch Farmland, bevor Kwabena es gekauft hat. Alles üppig grün. Einiges auf dem Gelände ist immer noch von Urwald überwachsen. Er hat seine Farm im Brotkorb-Gürtel von Ghana angesiedelt. Dieser Brotkorb versorgt den Rest des Landes mit Lebensmitteln.

Wie spielte sich Dein Alltag auf der Farm ab? Welchen Herausforderungen bist Du begegnet?

Ich hatte nicht sehr viel Gepäck dabei. Darunter waren mein Handy, Laptop, Anziehsachen, ein Wasserfilter und einiges mehr. Ich hatte auch ein Aufladegerät auf Solarbasis dabei, falls es keinen Strom gab, den mir Ralf Otterpohl ausgeliehen hatte. Die Mindest-Erwartung war, dass ich eine Analyse mache, um herauszufinden, ob man einen Teich anlegen könnte. Idealerweise würde die Analyse reproduzierbar sein für jemanden, der normalerweise auf einer Farm lebt in einer ähnlichen Situation. I war in der Lage, ein vorläufiges Design fertigzustellen für den Teich in meinem Notebook und Laptop. Wir konnten von der Universität einige Werkzeuge ausleihen. Zum Beispiel eine Vermessungsausrüstung und einen Bodenstecher für Bodenproben. Das erwies sich als äußerst hilfreich. Die meisten dort sprechen Englisch. Englisch ist die offizielle Amtssprache in Ghana. Die meiste Zeit waren wir zu siebt. Nur zwei davon konnten Englisch, der Rest nur Twi, die lokale Sprache in der Gegend. Ema, der bei Kwabena angestellt war, sorgte für den Transport. Emas Ehefrau, Adwoa, kochte für uns alle Essen. Es gab dort auch vier Brüder, die dort leben, und die hauptsächlich Tomaten anbauen. Ich war auf ihre Hilfe angewiesen. Sie waren unglaublich freundlich. Erick, der fließend Englisch spricht, hat eine Menge übersetzt. Erick war neugierig. Er war glücklich, wenn er alle meine Fragen beantworten konnte. Ich kann mittlerweile etwa zehn Worte in Twi. Erick hat Zugang zum Internet. Sie alle hatten die High School abgeschlossen und die Schule im Alter von 17 oder 18 Jahren verlassen. Die nächste richtige Stadt ist Duayaw Nkwanta, weniger als zehn Kilometer vom nahegelegenen Dorf entfernt.

Es war eine neue Erfahrung für mich, nicht einfach in den nächstgelegenen „Baumarkt“ zu fahren, wenn ich Arbeitsgeräte oder Material brauchte. Kwabena hat einige landwirtschaftliche Geräte. Es gibt dort auch natürliche Materialien wie Lehm oder Bambus. Wir haben zum Beispiel Bambus geerntet, der auf einer Straßenseite wild wuchs in der Nähe der Farm.

Wie sieht es mit Herausforderungen für die Gesundheit aus?

Es gibt dort Mücken, dort ist Malaria-Gebiet. Ich habe zur Prophylaxe Medizin eingenommen. Einer der Mitarbeiter erzählte mir, dass jemand, der auf der Farm war, vor kurzem an Malaria erkrankt war. Es gibt dort eine Menge Mücken. Ich hatte mir keine Impfung gegen Dengue Fieber geben lassen, diese Impfung ist noch nicht überall erhältlich. Wenn die Sonne untergegangen ist, werden die Mücken aktiv. Sie treten nicht in Schwärmen auf wie in Teilen von Nordeuropa, aber sie finden dich. Ich hatte ein Mosquitonetz dabei und blieb gesund. Aber ich hatte trotzdem jede Menge Mückenstiche.

Wie sieht es aus mit Parasiten zum Beispiel im Wasser?

Tatsächlich, das ist ein weiteres Problem. Ralf Otterpohl hatte mir zuvor zum Thema Rohkost gesagt: wasche es, schäle es, koche es, oder vergiss es.  Der Bisi-Fluss, der Fluss auf dem Grundstück, ist nur drei oder vier Meter breit. In der Nähe vom Bambus war ein größerer Fluß, an dem Kinder spielten. Ich habe aber niemanden dort schwimmen gesehen.

Kann man die Farm auf einer Landkarte finden?

Ja, Google Maps. Das Satellitenbild ist ganz genau und aktuell. Es wurde aktualisiert, seit ich auf der Farm war.

Welche Art von Tieren leben auf der Farm?

Es gibt dort keine Beutetiere. Sie hatten früher eine Menge Elefanten in der Region. Es gibt dort riesige Fruchtfledermäuse, 70 Zentimeter groß. Auf dem Universitätsgelände hörte ich sie in den Bäumen zirpen, bevor ich wusste, um welche Tiere es sich handelt. Sie leben in Kolonien von Hunderttausenden. Nahe der Universität bewohnten sie jeden Baum. Eine ihrer Kolonien muss auch in der Nähe von Kwabenas Grundstück sein, weil wir sie jeden Tag zur Abenddämmerung etwa eine Stunde lang über uns fliegen sahen. In Ghana jagen einige die Fruchtfledermäuse und essen sie. Es gibt dort außerdem sehr interessante Insekten und Vögel.

Was war dein beeindruckendstes Erlebnis?

Es gab so viele beeindruckende Erlebnisse. Ich  verbrachte einige Zeit in Accra, der Hauptstadt, bevor ich weiter fuhr zur Farm. Ich wollte die Menschen im Busch treffen und kennenlernen. Daher fuhr ich in nahegelegene Dörfer. Jeder spielte dort Fußball. Jeden Dienstag fanden dort Fußballspiele statt, und ich habe mir welche angeschaut. Das war aufregend. Alle haben zugeschaut in der Stadtmitte, egal wie sonnig und heiß es war. An einem anderen Tag zeigte mir Ema die Umgebung und nahm mich mit zu zwei Hochzeiten und einer Beerdingung, alles an einem Tag. Adelige der Ashanti waren auf den Hochzeiten anwesend. Sie trugen leuchtend bunte traditionelle Kleidung. Diese Adeligen haben immer noch Macht, und treffen wichtige politische Entscheidungen. Manchmal muss man sich mit  ihnen beraten, bevor man etwas unternimmt.

Ema fuhr mich zur Universität, wenn ich mich mit den Mitarbeitern treffen und Ausrüstung ausleihen wollte. Er hatte ein kleines Cabrio. Wenn wir die Farm verließen, standen Menschen am Straßenrand, die warteten. Wir nahmen drei von ihnen mit. Die Tür des Autos fing an zu rauchen, in der Mitte der Straße. Wir trennten einige Drähte. Wir waren danach nicht mehr in der Lage, das Fenster runter zu kurbeln, aber konnten wenigstens unsere Fahrt fortsetzen. Unsere Mitreisenden waren extrem geduldig.  

Welche Religion ist dort am Verbreitesten?

Die Menschen dort sind hauptsächlich Christen, aber es gibt dort auch viele Muslime, vor allem im Norden. Es gibt eine große Moschee in Accra.

Hast du so etwas erlebt wie ein „clash of civilizations“? Was war anders in Ghana als das, was Du aus Deutschland oder den Vereinigten Staaten kennst?

Clash of civilization? Vieles dort war anders. Man muss Geduld haben, das lernst du da. Ema hatte rausgefunden, dass die Stadt Duayaw Nkwanta in den Besitz eines Baggers gekommen war. Daher fuhren wir los, um den Chef Stadt-Beamten in seinem Büro aufzusuchen, wo er auch wohnte. Er hatte uns eine Zeit genannt, wann wir ihn treffen uns sprechen könnten, aber aus irgendeinem Grund stand er trotzdem nicht zur Verfügung. Das Ganze entwickelte sich so, dass wir viele Fahrten hin und zu rück machen mussten zu seinem Büro, bevor wir ihn endlich einmal antrafen. Nach Wochen haben wir dann erfahren, dass der Bagger für uns zur Verfügung stünde zur vereinbarten Leihgebühr.

Kwabena hat für so etwas ein großes Verständnis und eine Menge an Energie, und eine Menge an Wissen. Aber man braucht dort Geld, um das alles zu erreichen und zu realisieren, was er plant. Er braucht Arbeitskräfte. Wenn man kein Geld hat, um Menschen zu bezahlen, werden sie auch nicht für einen arbeiten.

Ein wichtiges Thema ist das richtige Management. Kwabena ist oft in Deutschland, ein Kontinent weg von der Farm. Es würde helfen, die Entwicklung des Projektes besser zu dokumentieren, so dass er einen Bezugsrahmen hat, wenn er nicht auf der Farm ist, und eine solche Dokumentation wäre auch für die ganze Zeit wichtig.

Würdest Du gern noch einmal auf die Farm zurückkehren? Welchen Herausforderungen bist Du begegnet?

Ich würde sehr gern noch einmal dorthin zurückkehren. Es ist ein magischer Ort. Kwabena hat dort Menschen, die dort ganztags Landwirtschaft betreiben. Das ist großartig.

Kwabena ist dort schon oft. Alles muss nicht perfekt organisiert sein. Freiwillige wären großartig, und Fachkräfte. Es gibt so viel zu tun. Zum Beispiel, einen Gemeinschaftsbereich zu bauen. Auf der Universität in der Nähe spricht jeder Englisch. Das ist dort ein großer Vorteil. Ich war drei Wochen auf der Farm ohne Kwabena. Das war gut. Junge Menschen erwarten etwas Chaos. Wenn es ums Essenmachen ging, war es nötig, ein Feuer zu machen, weil es keine modernen Geräte in der Küche gab. So war es großartig, dass jemand fürs Essenmachen verantwortlich war während meines Aufenthalts. Meine Ausgaben für Essen, Benzin, das Busticket waren bescheiden. Ich gab 200 Euro für Essen aus, Emas Frau Adwoa kochte das Essen. Um von Accra nach Duayaw Nkwanta zu kommen, muss man den Bus nehmen. Die Busfahrt dauert offiziell sieben Stunden, tatsächlich waren es elf, weil der Verkehr manchmal so dickflüssig war. Es gibt keine Toilette im Bus, aber eine Klimaanlage. Nach einer Stunde Fahrt gab es eine Pause, und das war die einzige, es ging die nächsten zehn Stunden weiter ohne Halt. Daher würde ich sagen: ein Inlandflug von Accra nach Sunyani ist eine gute Option.         

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Weitere Videos:

 

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 https://youtu.be/QFd01XFRJKM?si=Mh8iDWbVtfO3VXMZ

 

 

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Der Link dazu:    https://drive.google.com/file/d/11XU53_6QFjIkABgnBLnUoX6GAH-g6hwX/view?usp=sharing

 

                                                    

 

 

 

 

 

 

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