Unter dem Pflaster ist kein Strand, sondern Erde – „Urban Gardening“ in

Hamburg, der neue Trend

 

Urbane Gärtner werfen in Guerillataktik „Samenbomben“ auf Verkehrsflächen und Brachflächen und machen Beete aus Baulücken. „Mundraub“-Aktivisten ernten Obstbäume ab, um die sich keiner kümmert. Wer keine Lust hat, Bioäpfel aus Neuseeland und „ökologische“ Erdbeeren aus

Spanien zu kaufen, baut selbst welche an. Was vor rund 40 Jahren in den USA begann, in Berlin

viele Nachahmer fand und mittlerweile bundesweit Trend ist, hat jetzt auch Hamburg erreicht.

Michele Obama hat „urban gardening“ gesellschaftsfähig gemacht. In Hamburger

Gemeinschaftsgärten wächst nicht nur Obst und Gemüse heran, sondern ein neues Lebensgefühl. In Gemeinschaften lässt es sich nicht nur buddeln, sondern auch plaudern und feiern. Die ökologischeund spirituelle Zeitenwende findet auch hier statt, leise, bestimmt und nachhaltig.

 

Schrebergärten sind „in“ bei Familien mit Kindern und bei Migranten. Nicht wegen Datscha und

Rasen, sondern wegen Obst und Gemüse aus eigenem Anbau. Schrebergärten dienen wieder, wie zu Zeiten des Naturheilkundlers Dr. Daniel Schrebers der Selbstversorgung. Etwas Neues sind Gemeinschaftsgärten, in denen gesunde Lebensmittel, Stadtnatur und Gemeinschaft genossen wird. Gleichzeitig übt man Zukunft: Ökologie in der Stadt, interkulturelle Begegnung, sinnvolle Beschäftigung in einer Gesellschaft jenseits des Postulats quantitativem Wachstums. Da die Herstellungskosten von Lebensmitteln analog zum Ölpreis steigen, sind lokale und regionale Produkte nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch überzeugend.

 

Wer einen Schrebergarten in Hamburg sucht, kann sich an den „Bundesverband Deutscher

Gartenfreunde“ (www.kleingarten-bund.de ) wenden, und muss in beliebten Lagen mit einer

Wartezeit rechnen. Die Pacht beträgt nur rund 200 Euro pro Jahr, allerdings muss eine Ablösesumme für Laube und Obstbäume gezahlt werden, die man vom Nachfolger wieder bekommt. Hinzu kommen die Kosten von Wasser und Strom. Spießig war gestern. Der Verband sieht sich als tolerant, ökologisch, engagiert, gesellig und gesundheitsorientiert. Deutschlandweit gibt es etwa eine Million Kleingärten.

 

Parallel zum Schrebergarten-Trend entstand seit Anfang des Jahrhunderts urbanes Gärtnern jenseits althergebrachter Schrebergartenvereine. Am Anfang noch misstrauisch beäugt und sogar von der Polizei geräumt – „Rosa Rose“ 2009 in Kreuzberg -, wird diese Bewegung mittlerweile von Stadtplanern und Feuilletonisten gleichermaßen akzeptiert und begeistert aufgenommen. Der berühmte „Prinzessinnengarten“ in Berlin, Moritzplatz, mit seinen mobilen Beeten und rund 700 Gärtnern macht jetzt Schule und findet Nachahmer in Hamburg im Rahmen des Internationalen Sommerfestivals auf Kampnagel zum Thema „Gemeingüter“. Im Juni geht es los (www.kampnagel.de). Die Gärten von „Nomadisch Grün“, dem Initiator der Prinzessinnengärten, dienen als Praxislabor für Experten, Aktivisten und Interessierten aus den Bereichen Ökolandbau, Klimaanpassung, Kunst, Pädagogik, Gesundheit und Kulinarik.

 

Interkulturelle Gärten blühen bereits seit 2006 in Wilhelmsburg. Hier findet nicht nur eine

Begegnung der Generationen statt, sondern auch ein interkulturelles Miteinander. Ein

interkulturelles Kochbuch ist in Arbeit. Sonntags ab 15 Uhr sind – bei gutem Wetter - Gäste

willkommen. Im Prinzessinnengarten in Berlin gehören eine Gruppe türkischer Frauen zu den

erfahrensten Gärtnerinnen. Aufgewachsen als anatolische Bäuerinnen, ist ihre Expertise plötzlich

hoch begehrt. Das Prinzip der interkulturellen Gärten: Ein Verein, der mit Migranten arbeitet, pachtet eine Fläche, teilt sie in Einzelparzellen auf und vergibt diese an gartenbegeisterte Zuwanderer und Deutsche. Zusätzlich gibt es Gemeinschaftsbeete und ein Gartenhaus für alle zusammen.

 

 

Das „Tutenberg Institut für Umweltgestaltung“ betreibt mit dem Permakultur-Garten Hamburg am Volkspark das am weitesten fortgeschrittene Urban Gardening-Projekt in Hamburg. Der Stadtgarten für urbane Landwirtschaft ist als Mustergarten konzipiert und ist jetzt schon ein Ort der Vermittlung zwischen Mensch und Natur. Die aktuelle Fläche von immerhin 2.600 qm wird sich in einigen Jahren verdoppeln. Ein Mandalabeet ist angelegt, die Vereinsmitglieder haben auch eigene Beete zum Bewirtschaften, es gibt eine Feuerstelle sowie eine Wildblumenwiese und Bienenhaltung. In Planung sind eine Terra-Preta- Komposttoilette, eine Wildnisküche, essbare Hecken, ein Strohballen-Seminarhaus, eine Jurte als Begegnungsraum und ein Hühnerstall mit Laufentenstation. Zurzeit wird mit Unterstützung der TU Harburg ein Brunnen gebohrt.

 

Die Initiative „GrünAn Teil“ bepflanzt in Hamburg öffentliche Parks, Verkehrsinseln und sogar private Grünflächen – mit Einverständnis der Eigentümer. Das Ziel: den städtischen Lebensraum verschönern und nachhaltiger gestalten. Die Gärtner aus Leidenschaft legen nicht nur blühende Blumenwiesen an, sondern pflanzen auch mitten in der Stadt Tomaten und Kartoffeln. Im Projekt „Gardensharing“ helfen sie Gartenbesitzern, die sich mit ihrem Stück Land überfordert fühlen. Hintergrund ist die Idee der „Transition Town“, die auf den Permakulturgärtner Rob Hopkins zurückgeht, und die eine „Stadt des Wandels“ mit wirtschaftlicher Selbstversorgung propagiert und damit eine Energie- und Kultur-Wende.

 

Gemeinschaftsgärten greifen die Idee der Allmende auf, gemeinschaftlich genutztes Terrain

innerhalb eines Dorfes, die es bis ins 19.Jahrhundert in Deutschland und anderen Ländern gab. Elinor Ostroem bekam 2009 den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften für ihre Forschung darüber. Sie beweist, dass die Allmende mit ihrer gemeinschaftlichen Hege und Pflege von wertvollen Gemeingütern nicht nur materiellen Reichtum stiftet, sondern auch immateriellen: Zusammenhalt, Gemeinsinn, Verantwortlichkeit und Respekt. Auf dem Internationalen Sommerfestival auf Kampnagel können Interessierte sie persönlich kennen lernen. Gemeinschaftsgärten haben auch eine spirituelle Komponente, indem sie den Wunsch nach Ruhe, Ritualen, Selbstverwirklichung, Schönheit und Sinnhaftigkeit erfüllen. Indem wir gemeinsam Pflanzen anbauen und pflegen, werden magische Momente voller Achtsamkeit und Präsenz erlebt und die „Gemeinschaft mit allen Wesen“ entdeckt, der Urbedeutung von „polis“, der Stadt.

 

Literatur:

Christa Müller, Hrsg., „Urban Gardening – über die Rückkehr der Gärten in die Stadt“,

Oekom Verlag 2011

Margit Rusch, „Anders gärtnern. Permakulturelemente im Hausgarten“, ökobuch

Richard Reynolds, „Guerilla Gardening“, orange press

Marion & Michael Grandt, “Das Handbuch der Selbstversorgung. Überleben in der Krise“, KOPP

Barbara Simonsohn, “Warum Bio? Gesunde Pflanze, gesunder Mensch”, Goldmann TB (nur noch

antiquarisch)

Websites:

www.umweltgestaltung.org (Tutenberg-Verein, Kurse in Permakultur und Imkern. Treffen jeden

letzten Dienstag im Monat 20 Uhr Café der Werkstatt 3 in Ottensen)

www.transition-initiativen.de/group/tthamburg.de (Initiative für ein nachhaltiges Hamburg)

http://gruenanteil.wordpress.com (Projekte und Veranstaltungsinformationen in Hamburg wie

„Garten sucht Gärtner“)

www.Mundraub.org (Verzeichnis von öffentlich zugänglichen Obstbäumen, die man abernten darf)

www.stiftung-interkultur.de (Netzknoten für interkulturelle Gärten in Deutschland, mit Tipps zum

Selbermachen)

www.interkgarten.de (Interkultureller Garten in Wilhelmsburg. Auf der Website Artikel aus GEO über diesen Garten)

www.gartenanteil.de (Informationen über Gemeinschaftsgarten-Projekte in Hamburg)

www.biobalkon.wordpress.com (Ein Hamburger dokumentiert seinen Versuch, an einem

französischen Balkon Bio-Gemüse zu ziehen)

www.prinzessinnengarten.net (Website des Berliner Projekts von „Nomadisch grün“)

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